Gedichte

„Humorvolles Gedicht“ aus dem Seminar: (von Rosina Sonnenschmidt)
„Ich stehe gern im Rampenlicht“

Als ich zur Welt kam, war ich noch sehr jung.
Ich öffnete die Tür und sah mich um.
Da war’s mir plötzlich – nehmt’s mir nicht krumm –
mulmig und ich dachte, das ist ja gar zu dumm!
Da hab‘ ich wohl den falschen Zug genommen.
Ich hab‘ wohl den falschen Kanal erwischt
und bin auf diesen komischen Planeten gezischt.

Hier war alles hell und laut und grell.
Und alles ging mir viel zu schnell.

Ich wollte doch die reife Frucht der Liebe reichen!
Anstelle dessen geht man hier wohl eher über Leichen.
Statt Menschen in Not einen Kelch zu reichen,
scheint alles Gute zu verdichten und zu entweichen.

Kaum hierher geboren,
fühlt‘ ich mich schon verloren.
Wäre fast erfroren.
Ich dachte, ich zieh‘ mich an eigenen Ohren
aus diesem Sumpf von Toren.
Wollte nicht mehr nur Nasebohren!
Fühlte mich ganz unverfroren,
zu Höherem auserkoren.

So stand ich bald über Mensch und Welt.
Und das mit ziemlich wenig Geld.
Doch viel Verbitterung in der Hose,
wartend auf die Metamorphose.

Doch blieb die aus und vor lauter Schmerz,
schaute ich ins eigene Herz.
Und das hab‘ ich gesehen,
ich muss es heut‘ gestehen:
Die Welt, die ich so angeklagt,
in meinem Herzen sitzen so verzagt
und alle Unbill, die mir war beschieden,
hab‘ ich selbst gemacht, hienieden.

Die Erkenntnis war fatal.
Für meine Verhältnisse geradezu brutal!

All mein Leid, Pein und Schmach,
alles Weh und Ach
hab‘ ich selbst gemacht.
Hab‘ meine Welt wie „ich“ gemacht.
Da hab‘ ich umgedacht,
und mein eins gelacht –
hab‘ eine neue Welt erdacht,
mit Liebe und Bedacht!

An die Stell‘ der inneren Kriege,
gab’s mehr Töne, Farben – Liebe!

So hab‘ ich die Welt doch liebgewonnen,
und bin so dem „Weh und Ach“ entronnen.


Gedicht von Konrad Pinegger:
„Ich wollte immer stehen“

morgens auf hellen Verandas, weißen Villen, hoch über dem endlosen Meer,
mich aussetzen dem Morgenduft der See, der Umarmung der Sonne.

berg-himmel

Alles so frisch und hell, dem Himmel näher
im Einklang mit Natur und Glück.
Morgens aus weißgardinten Türen treten,

aus geruhsam schwarzem Schlaf in die seelenummantelnde Helle
in mein glitzerndes,
die Natur wiederspiegelndes, einzigartiges Sein.

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Doch noch immer bin ich von Städten verschlungen,
die mich mit der Anonymität aufsaugen, die ich auch in mir trage.
Im Vielen verloren, von Not und Kleinheit zerfahren, in Leere gefangen,

die mich nicht loslässt, weil ich sie festhalte
aus Angst vor dem Glück oder Gottes Gericht.

Sollte die Fülle mich treffen, die einzig gesuchte,
die ewig ersehnte, wie ein Blitz in der Nacht, würde ich sterben? –
Zu dürren Gewichts, unfähig zu tragen, zu entwöhnt der Verwandlung, die verlangt.
Die mich verlangt und verschlingt und nur das gnadenlose Glück zurücklässt…
…das nicht klein ist, alles Kleine könnten wir leiten.
Das Große nimmt uns uns weg und führt uns zu dem, was uns einzig Angst macht.

Zur Einsicht, dass wir mit Ihm – Gott – sind,
uns aber verstecken hinter Bäumen wie Kinder, die sich schuldig wähnen,
um uns zu drücken und an falscher Demut und Hybris zu vergiften,
damit wir endlich sterben können und nicht mehr sein müssen, was unausweichlich unsere Natur ist:

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Mit ihr Gott zu sein und Fülle und groß.


„Dichtes“

Was sind wir anders als versprengte Kinder
aus der Einheit in die Welt getrieben
die sich wieder suchen
sich suchen, sich ver-suchen, ver-führern, ver-suchen zu lieben
…und ver-zweifeln
versuchen zu leben ohne Heimat
in der Kälte des Herzens ohne Liebe
… sich wieder suchen – als die Heimat, einzig die befriedigt, befriedet….
…sich wieder suchen, vergeblich…vergeblich lieben
sich suchen im Andern

Geschwister einer Einheit, Geschwister Gottes einst
vergeblich im andern
lieben
suchen
finden
in sich
Eins